Träume und Wünsche

Es ist eine sternenklare, kalte Nacht. Zarte Nebelschwaden schweben wie Fetzen sanfter Träume über die hügelige verschneite Landschaft, bereit, tiefer in den nächtlichen Himmel zu ziehen.

Wir erkennen wieder die große Tanne und die angrenzende Lichtung, eine malerische Landschaft. Darunter sehen wir den glänzenden See, der zugefroren aussieht wie ein trüber Spiegel. Er wirft den Mondschein blass zurück, als käme das Leuchten aus seinem Inneren.
Die Stimmung ist ausgesprochen ruhig, winterlich, und vor allem friedlich. Als stünde die Zeit ein wenig still.

Lasst uns in dieser Stimmung verweilen und nachsehen, was unsere kleinen Freunde - ich hoffe Ihr erinnert Euch noch an sie - wohl grade machen.
"Was sollen die kleinen Waldtierchen schon machen in der Nacht?", denkt Ihr Euch vielleicht.
Sehr aufmerksam, sage ich da nur.
Genau, es ist ja nun mitten in der Nacht. Schlafen werden sie alle, sollte man meinen. Und ja - schaut vorsichtig her - das ist auch wirklich so:

Erinnert Ihr Euch zum Beispiel an unseren kleinen Freund "Stachel", den kleinen Igel mit den tiefschwarzen glänzenden Äuglein und der feuchten Nase? Lasst uns vorsichtig nach ihm schauen.
Der Blätterhaufen am Fuß der großen Tanne sieht gemütlich aus, besetzt mit einer Haube aus Schnee, als hätte es Puderzucker geschneit. Darin schlummert er, ganz tief und fest.
Das Igelchen denkt träumend über all das nach, was uns auch alle nach wie vor so sehr beschäftigt:
Es fragt sich, wann man bei "Handschuhen" endlich wieder das Wort "Einmal-" davor streichen kann und wieder unmittelbar an wärmende Fausthandschuhe denkt, die mit einer Schnur verbunden in den Jacken von fröhlichen Kindern stecken und dabei helfen, beim Formen von eiskalten Schneebällen wohlig warme Finger zu behalten.
Einen Schneemann mit den allgegenwärtigen dünnen, quietschigen Einmal-Silikonhandschuhen geschmückt stellt sich Stachel zudem ziemlich hässlich vor.
Mit der Kraft seiner Gedanken formt er ein Bild von lachenden Kindern im Traum, mit warmen Handschuhen an ihren Händen, die einen kleinen süßen Schneemann bauen. Mit Schal, Mütze, und eben auch warmen Fausthandschuhen.
Wie früher.

Wir ziehen uns langsam wieder zurück und schauen nun nach "Schnabel", dem zarten kleinen Spatz, der so gerne den Überblick behält und stets aufrichtig seine Freunde durch ihren Alltag begleitet.
Da, am Stamm der großen Tanne, sitzt ein kleines aufgeplustertes fedriges Etwas im Eingang der Höhle.
Es wird im ruhigen Rhythmus seiner Atmung mal etwas dicker, dann wieder dünner, und zuckt hier und da kaum merklich mit den eingefalteten Flügelchen, während es träumt.
Schnabel fragt sich, wie es wäre, wenn "Schnelltests" wirklich nur superschnelle Tests wären, die Kinder an Schulen turboschnelle Prüfungen bieten würden, was wiederum kürzeren Prüfungsstress und dadurch mehr Zeit fürs Lachen und Spielen auf dem Schulhof bedeuten würde.
Oder dass "Pool-Tests" nur gebraucht werden, wenn Schwimmabzeichen erreicht werden sollen, zum Beispiel fürs Seepferdchen.
Wie früher.

In der Höhle des Stammes der großen Tanne hat es sich der clevere Schneehase gemütlich gemacht. Er liegt dort ganz ruhig, wie ein Kringel eingekuschelt. Seine Ohren bedecken dabei die Äuglein wie eine Schlafmaske.
Auch Löffel träumt.
Der Schneehase denkt über die Masken nach, die wie ein Filter jedes Lachen aus den Gesichtern der Kinder herauszulöschen, beinahe wegzuradieren scheinen.
Das stimmt den feinfühligen kleinen Schneehasen traurig, nicht mehr so viel vom Glück zu sehen, das lachende Kinder sonst so fröhlich in die Welt tragen.
Das Häschen zuckt einmal im Schlaf, dreht sich um und wackelt ein wenig mit den Ohrenspitzen. So traurige Träume hat es nicht gern.
Es bestärkt sich darin, dass man das Lachen auch an den Augen der Kinder sehen, aber insbesondere auch durch ihre Stimmen hören kann.
Das Häschen seufzt, froh darüber, mit so großen wachsamen Ohren ausgestattet zu sein. Glücklich darüber, dass der Klang fröhlicher Kinderstimmen zum Glück noch immer zu hören ist in diesen Zeiten.
Das tut so gut, denkt sich Löffel mit wieder wachsender Zuversicht. Er wünscht sich, dass Masken nur wieder getragen werden müssten, wenn man sich verkleidet. Als Superheld zum Beispiel, überlegt sich der Schneehase.
Wie früher.

Lasst und noch mal nach dem leicht chaotischen Eichhörnchen sehen, dass aufgrund seiner Fellbüschel an den Öhrchen liebevoll "Pinsel" genannt wird von seinen Freunden.
Wie nicht anders zu erwarten nächtigt Pinsel auf einem Haufen Nüsse, seinem Wintervorrat, den er sich mühsam zusammensuchte.
Es wirkt so, als wolle Pinsel noch im Schlaf weiter nach Nüssen buddeln, denn er dreht sich lebhaft träumend hin und her, greift mit seinen Pfötchen dabei in die Luft, als halte er eine Nuss. Pinsel denkt daran, dass ihm seine Hörnchenmama immer "eingeimpft" hat, auf die gesammelten Nüsse aufzupassen, egal ob Tag oder Nacht, denn das machen alle Eichhörnchen so.
So ein "impfen" piekst nicht so wie die Impfungen, die derzeit die Menschen mit Spritzen vornehmen lassen müssen oder möchten oder können oder sollten.
Pinsel wünscht sich, dass alle ganz viel lernen, wie er, um später ihren Kindern wichtige Handlungsmuster "einimpfen" zu können - um mit sich selbst, aber auch anderen stets umsichtig zu bleiben.
Wie früher.

Was sind denn Eure wichtigsten 3 G's, liebe Zuhörer*innen oder Leser*innen?
G-wissenhaftigkeit?
G-emeinschaft?
G-lücklich sein?

"G-nuss! Nuss! Nuss!!!", ruft Pinsel spontan sehr emsig und laut, schreckt aus dem Schlaf hoch und reibt sich überrascht die Äuglein.
Oh weh, jetzt habe ich ihn wohl geweckt.
Das tut mir leid, Pinsel. Kuschel Dich wieder ein, alles ist gut.
Ich erzähle unseren Leser*innen nur gerade wieder eine Weihnachtsgeschichte, wie jedes Jahr, weisst Du. Diesmal wollte ich Euch Waldtierchen aber nicht stören. Das Jahr war turbulent genug.
"Da sagst du was", stimmt Pinsel mir schläfrig zu. Er deckt sich mit seinem buschigen Schwänzchen wie mit einer Decke wieder zu, schließt die Äuglein und atmet allmählich einschlummernd wieder gleichmäßig und ruhig. Pinsel träumt, wie seine Freunde, weiter von unbeschwerten Zeiten.
Wie früher.

Eins möchte ich an dieser Stelle noch mal hervorheben:
Wir haben alle so tapfer durchgehalten bislang. Wir schaffen das auch weiter. Freundschaft, Fürsorge, Wachsamkeit, Flexibilität. Das sind alles so wichtige Eigenschaften, die uns weiterhelfen. Heute und in Zukunft genauso - wie früher.

Frohe, besinnliche Weihnachten!

Weitere Abenteuer von Schnabel und seinen Freunden.

Geschichten von Sonja Heinisch.

Sonja Heinisch erzählt uns von Schnabel, dem kleinen Spatzen und seinen Freunden Pinsel, dem Eichhörnchen, Löffel, dem Schneehase und Stachel, dem Igel und ihren Abenteuern in der Weihnachtszeit.

Vogel, Hase, Igel und Eichhörnchen in einer Reihe.

Weihnachtsgeschichte 1

Dicke Schneeflocken fielen herab, die Wiesen lagen unter einer hohen Schneedecke begraben. Kinder spielten im Schnee, bewarfen sich gegenseitig mit Schneebällen, bauten Schneemänner oder fuhren mit ihren Holzschlitten Hügel hinunter. Die kalte Winterluft war erfüllt von den Stimmen der Kinder, die sich riefen, jauchzten und unbeschwert spielten. Jeder freute sich auf das Weihnachtsfest.

Ein kleiner Spatz schaute hoch oben von einer Tanne auf das lustige Treiben herab. Ein kleiner Windstoß zerzauste ihm die Federn, also plusterte er sich auf. Fast wehmütig dachte er daran, dass jedes einzelne Kind da draußen von seiner Familie oder Freunden erwartet wurde, in einem gemütlichen, warmen Zuhause. Warum wurde er nicht erwartet?

„Tatsache ist aber, dass ich mir dringend ein Zuhause suchen muss, damit ich den Winter heil überstehe“, dachte der Spatz bei sich und riss sich aus seinen trüben Gedanken. Er hüpfte auf einen benachbarten Ast, von dem er einen besseren Überblick über die Landschaft hatte. Suchend schaute er sich um. Sein Blick schweifte über die vielen Häuser mit den Schornsteinen, aus denen Rauch in die kalte Winterluft emporstieg. Alle Fenster waren geschmückt und das Licht, das von ihnen ausging, schimmerte wie Gold auf der Schneelandschaft. Er schaute über das große Feld, das man unter dem dicken Schnee gar nicht mehr erkennen konnte und das aussah, als wäre es mit einem dicken weißen Kissen zugedeckt. Schließlich wurde er auf eine kleine Baumgruppe vor einem zugefrorenen Teich aufmerksam.

„Vielleicht sitzen dort noch andere Vögel in den Bäumen“, piepste er und breitete neuen Mutes seine kleinen Flügel aus, um dorthin zu fliegen. 
Es war schwer, sich bei Wind und Schneefall in der Luft zu halten, immer wieder wurde der kleine Spatz von einer kalten Windböe erfasst und zur Seite gewirbelt. „Zum Glück, endlich bin ich da“, keuchte er schließlich und ließ sich auf einem umgefallenen Baumstamm herab, der dicht neben einer kleineren Tanne stand. Sein Atem ging nach der Anstrengung noch schnell und er erzeugte so kleine aufeinanderfolgende Wölkchen, die in die eisige Luft emporstiegen. 
Entzückt schaute er sich um und versuchte, sich die neue Umgebung einzuprägen. Er schaute zurück über das Feld hin zu dem Baum, auf dem er zuvor gesessen hatte. „Da bin ich ja richtig weit geflogen“, dachte er nicht ohne Stolz. „Wie anders alles von hier aussieht“, staunte er weiter.

Plötzlich wurde er auf ein leises Rascheln über sich aufmerksam, hörte den lauten Ausruf „Oh neiiiiin, nicht schon wieder!“ und hob den Kopf. Er sah nur noch einen Hagel von Nüssen herunter fallen. Noch ehe er schnell weghopsen konnte, war er unter einem, so schien ihm, riesigen Nusshaufen begraben. Dann fiel er vor Schreck in Ohnmacht.

Eifrige weiße Hasenpfoten schaufelten die Nüsse beiseite, das rosa Näschen schnüffelte vorsichtig. Das Schneehäschen, zu dem die weißen Pfoten gehören, rief das Eichhörnchen, dass wie versteinert immer noch auf dem Baum saß und seine Augen mit den Pfoten verdeckte: „Jetzt sitz da doch nicht so still rum! Komm endlich und hilf mir! Wenn du schon immer mit deinen Nüssen rumschmeißt, kannst du wenigstens den Leidtragenden helfen!“.
Das Eichhörnchen brach in ein noch lauteres Schluchzen aus, eilte aber herbei. „Ich mach doch sowas nicht absichtlich! Ich habe eben großen Hunger und brauche dann auch viel Vorrat für den Winter“ rechtfertigte sich das Eichhörnchen. 
„Aber du musst dann doch trotzdem nicht alles auf einmal tragen! Ach, wenn wir noch so weiter diskutieren, kann dem armen Spätzchen gar nicht mehr geholfen werden. Schau, er ist in Ohnmacht gefallen und braucht deshalb viel Wärme.“ Der kleine Schneehase zog also spontan dem Eichhörnchen am Schwanz und wickelte den leblosen Spatz darin ein, der schlaff und kaum atmend dalag.

Der Schneehase befahl dem Eichhörnchen: „Und jetzt absolute Ruhe! Sei still, bis der kleine Vogel sich besser fühlt. Der braucht nach dem Schrecken jetzt erst mal Ruhe und muss wieder zur Besinnung kommen.“
„Jaaa – ich weiß doch...“ flüsterte das Eichhörnchen ehrlich besorgt und zupfte sein Fell am Schwanz so zurecht, dass der kleine Spatz gemütlich darin liegen konnte.

Endlich schien sich der Spatz, noch immer umschlungen vom buschigen wärmenden Schwanz des Eichhörnchens, wieder zu regen, sodass das Eichhörnchen anfing, zu kichern: „Das kitzelt! Hör auf!“. 
Langsam öffnete der Spatz die Augen, klimperte zwei, drei Male und schaute verdutzt auf eine Hasennase, die ganz nah vor seinen Augen schnuppernd hoch- und niederwippte. Die Nase entfernte sich schließlich ein wenig, sodass er nun erkannte, wer ihn da so angeschaut hatte. Er blickte in das besorgte Gesicht eines jungen Schneehasen, der ihn sofort liebevoll in den Arm nahm und wie ein Baby hin her wiegte. Ganz leise piepste das Spätzchen: „Was ist denn überhaupt passiert?“ 
Das Eichhörnchen trat verlegen hervor, während der Hase das Spätzchen noch immer in den Armen hielt, und begann, zu erzählen: „Also, um mich vorzustellen, mein Name ist Pinsel. Der Schneehase nennt mich wegen meinen Ohren so... Naja, jedenfalls ist es sehr wichtig, sich ausreichend Nüsse zu sammeln, damit man über den Winter kommt. Bei mir ist das aber so, dass ich wirklich richtig viel Nüsse brauche, weil ich eben immer viel Hunger habe...“. Ungeduldig drängte der Hase: „Jetzt komm doch mal zur Sache!“ und verdrehte die Augen. Er flüsterte dem Spätzchen zu: „Der kommt nie auf den Punkt. Wenn der einmal anfängt zu erzählen....“
„Jaja“, sagte Pinsel trotzig und fuhr fort: „Jedenfalls - ich nehme immer viel zu viele Nüsse auf einmal, weil ich Angst habe, die Anderen könnten sie mir wegschnappen. Das wär ja schlimm! Da passiert es eben öfter mal, dass ich da oben das Gleichgewicht verliere und versehentlich die Nüsse fallen lasse. Aber ich habe eigentlich immer nur größere Tiere getroffen, denen das nicht soooo viel ausmacht ...“

„Zum Beispiel mich, nicht wahr?“ unterbrach der Hase und lachte laut. „Übrigens“ fuhr jetzt der Hase fort, „du darfst mich Löffel nennen, Pinsel nennt mich wegen meinen Ohren so. Und wie heißt du?“ Der Spatz sagte verblüfft: „Nun, eigentlich hab ich gar keinen Namen.“ Einen kleinen Moment überlegten Pinsel, das Eichhörnchen, und Löffel, der Schneehase, angestrengt. Dann riefen sie wie aus einem Mund: „Dann nennen wir dich eben Schnabel, ist das gut?“ 
„Jaaa“, freute sich der Spatz. 
Löffel lachte: „Pinsel, du scheinst wohl immer deine Freunde auf diese Weise kennenzulernen.“ Löffel war jetzt wieder ganz freundlich zu Pinsel. Und er erklärte: „Manchmal muss man mit Pinsel streng sein. Der lernt doch nie dazu. Aber ich mag ihn, bis auf die Sache mit den Nüssen ist er echt in Ordnung“. Pinsel lächelte verlegen.
Löffel wandte sich jetzt an den Spatz, der seit gerade eben Schnabel hieß: „Wir sind doch jetzt Freunde, oder?“ 
„Na klar“, piepste der Spatz und schaute seinen beiden neuen Freunden nacheinander in die Augen. Doch er musste sich eingestehen – so richtig freuen konnte sich Schnabel nicht, denn er wusste, dass er seine neuen Freunde bald wieder verlassen musste, er hatte ja leider noch immer keinen Unterschlupf gefunden. 
Schließlich fasste er sich ein Herz und rief Löffel und Pinsel zu sich, die inzwischen angefangen hatten, sich mit Schneebällen zu beschmeißen. Während er ihnen schilderte, was eigentlich sein Ziel war, tauschten die beiden immer wieder verstohlene Blicke aus und zwinkerten sich zu.

Als Schnabel aufgehört hatte, nahmen ihn Pinsel und Löffel in ihre Mitte und sagten feierlich: „Warum machst du dir solche Gedanken um einen Unterschlupf? Wir sind doch Freunde, und Freunde helfen sich. Du wohnst ab jetzt bei uns, im großen Baumstamm der alten Tanne dort drüben! Komm, wir zeigen es dir!“ Löffel jagte im Zickzack durch den Schnee, gefolgt von Pinsel, der sich doch wieder ein paar Nüsse mitgenommen hatte.

Schnabel flog ihnen so schnell wie möglich hinterher und traute seinen Augen nicht, als sie die große Tanne erreichten, mit der geräumigen Höhle im dicken Baumstamm.
„Tadaaaaaaaa!“, rief Pinsel stolz und sagte: „Herzlich willkommen in deinem zu Haus!“ Löffel sprang in die Höhle, es klimperte ein wenig – offenbar versuchte er noch schnell ein wenig aufzuräumen. Da musste Schnabel lachen: „Macht euch doch keine Umstände. Wir sind doch Freunde!“ Als er schließlich auch in die Höhle schaute, die mit Blättern und getrockneten Tannennadeln gemütlich ausgekleidet war, rief er aus: „Das ist ja gemütlich - und sogar warm!“

Die drei Freunde blieben in der Nacht noch lange auf. Pinsel gab seine lustigsten Geschichten zum Besten – alle hatten mit Nüssen zu tun – und Löffel versuchte bereits, einen Putzplan zu organisieren, der jetzt, mit drei statt zwei Bewohnern, ja neu aufgeteilt werden musste. Schnabel genoss das Gemeinschaftsgefühl, das sich wohlig in ihm ausbreitete. Er seufzte glücklich. „Das ist das schönste Weihnachten, das ich je erlebt habe!“

Weihnachtsgeschichte 2

Ja, schon war es wieder soweit, das Jahr neigte sich dem Ende zu und der Winter zeigte bereits sein eisiges Gesicht. Der kalte Wind fegte über die Landschaft und nahm einige Schneeflocken mit auf eine lange Reise. Die letzten roten Sonnenstrahlen wärmten kaum noch und stellten die alte Tanne in ein besonderes Licht. Dieses Bild war so schön, dass wir es uns etwas genauer anschauen wollen...

Doch was ist das?!? Die Tanne schwankte ja hin und her! Vereinzelt lösten sich sogar Haselnüsse von ihren Ästen - Haselnüsse, von einer Tanne? Da konnte doch etwas nicht mit den rechten Dingen zugehen! Ach, da erkennt man ja etwas! Es war niemand geringeres als unser Freund Pinsel, das Eichhörnchen. Pinsel schien also noch immer nicht gelernt zu haben, dass man mit zu vielen Nüssen in den Pfoten schneller etwas verliert; ach, und dieses Fluchen ist uns auch schon bekannt: „Oh neiiin, nicht schon wieder...!“

Nun kamen auch Schnabel, der Spatz und Löffel, das Schneehäschen herbeigeeilt und kugelten sich vor Lachen im Schnee... „Pinsel ist alles runtergefallen, Pinsel ist alles runtergefallen!“. Verschämt lugte nun auch das Eichhörnchen um den Stamm der alten Tanne und hielt vorsichtshalber seinen buschigen Schwanz vor das Gesicht. 
„Komm, du brauchst dich doch nicht zu schämen“, piepste Schnabel, der sich nun wieder beruhigt hatte und legte tröstend seinen kleinen Flügel auf Pinsels Pfote. Löffel fügte hinzu: „Das ist doch mittlerweile sowas wie Tradition! Jedes Jahr lässt du die Nüsse fallen - so haben doch auch wir schließlich zusammengefunden! Jetzt aber wieder ab in die Höhle, es ist schon spät und Schnabel wollte ja früh aufstehen und den ganzen Tag allein sein!“. So gingen unsere Freunde in die Höhle und hinterließen nur noch ihre Spuren im Schnee.

Schnabel wachte schon sehr früh auf - er hatte sich vorgenommen, den Tag damit zu verbringen, Weihnachtsgeschenke für seine Freunde zu suchen, da sie ihn letztes Jahr so liebevoll bei sich aufgenommen hatten. Er schlich sich also leise aus der Höhle, breitete seine Flügel aus und flog dem neuen Tag mit vielen Erwartungen entgegen.

Zuerst nahm er sich das Waldesinnere vor und suchte die Bäume nach den letzten Nüssen ab. Nach einiger Zeit wurde er fündig - er flatterte auf einen Baum und brach mit dem kleinen Schnabel einen Zweig mit drei Nüssen ab. „Das ist für Pinsel, juhu, ich habe ein Geschenk für Pinsel gefunden!“, piepste Schnabel aufgeregt und konnte Pinsel auf einmal sehr gut nachempfinden, wie schwer man mit Nüssen im Gepäck das Gleichgewicht halten konnte. Zum Glück hatte Schnabel einen kleinen Vorteil: Er flatterte einfach vom Ast hinunter und landete sanft auf dem schneebedeckten Boden. 
Angestrengt dachte Schnabel nach, was denn ein geeignetes Geschenk für Löffel sein könnte; er zerbrach sich so sehr den Kopf, dass er gar nicht merkte, wie er beständig vom einen Füßchen auf das andere hopste. Erst ein Kichern löste ihn aus seinen Gedanken.

„Wer lacht da so?“, fragte sich Schnabel entrüstet und schaute sich um. Er konnte niemanden sehen. Plötzlich piekste ihn etwas in sein Hinterteil und er sprang erschrocken beiseite. Nun sah er auch einige Stacheln aus der Blätterschicht unter dem Schnee herausragen. 
„Tag“, schnaufte der Igel und fragte: „Warum hüpfst du denn so wirr durch die Gegend?“ 
„Du hast mich gepiekt!“ 
„Oh, das tut mir leid“, der Igel wurde leise und eine kleine Träne rann ihm über die schwarze Nase. „Ich wollte doch nur freundlich sein! Schnüff! Keiner mag mich, weil ich so stachelig bin!“ 
Da schien Schnabel ja einen ganz wunden Punkt bei dem Igel getroffen zu haben! Er entschuldigte sich natürlich sofort und hörte sich die traurige Geschichte des Igels an, die von vielen gescheiterten Freundschaften handelte - und das nur wegen der Stacheln.

Schnabel war so gerührt, dass er sofort näher zu dem Igel hopste und ihm zuflüsterte: „Etwas stimmt aber nicht an deiner Geschichte. Ich meine, ich meine dass du keine Freunde hast. Ich bin doch jetzt dein Freund, oder nicht?!?“ 
Mit großen Augen schaute das Igelchen auf: „Wirklich?“ 
„Na klar“, piepste Schnabel fröhlich. 
„Sowas hat noch nie einer zu mir gesagt!“, sagte der Igel mit heiserer Stimme und nun rannen ihm Freudentränen über das fellbedeckte Gesicht. Nun hatte sogar Schnabel den Grund vergessen, warum er eigentlich ausgeflogen war und der Zweig mit den drei Nüssen lag noch immer im Schnee. 
„Was hast du denn mit den Nüssen vor?“, wunderte sich der Igel. Schnabel schlug sich mit seinem Flügelchen vor den Kopf und erklärte dem Igel den Grund. Er suche nach einem Geschenk für ein Eichhörnchen und für einen Schneehasen. 
Schnabel plusterte sich schließlich auf, da ihm eine dicke Schneeflocke auf das Köpfchen gefallen war und sagte: „Jetzt wird es aber ziemlich kalt hier draußen, langsam muss ich wieder heim.“ 
Und schon drehte sich der Igel langsam um und wollte ins Innere des Waldes verschwinden, als das Spätzchen hinzufügte: „Und du bist herzlich eingeladen, mit mir zu kommen!“
Schnaufend drehte sich der Igel um, ein fragender Blick lag in seinem Gesicht. „Sag mal, wie heißt du denn eigentlich?“, fragte Schnabel. „Bei uns hat jeder einen Namen. Mein Freund, das Eichhörnchen heißt Pinsel - wegen den Ohren. Der Schneehase heißt Löffel und ich werde Schnabel genannt. Hiermit nenne ich dich Stachel; auf den Namen kannst du stolz sein, denn so haben wir zueinander gefunden...“.

So kam es, dass sich die beiden neuen Freunde gemeinsam auf den beschwerlichen Weg zu der alten Tanne machten und sich langsam durch die kalte, schneebedeckte Landschaft kämpften. Währenddessen machte Stachel Schnabel darauf aufmerksam, dass er in der Hektik gar nicht an das Geschenk für das Schneehäschen gedacht hatte. Also grübelten nun beide und hüpften gemeinsam von einem Fuß auf den anderen. 
Da kam Stachel eine Idee: „Wenn wir jetzt hier abbiegen, kommen wir an einem kleinen Schneemann mit Möhrennase vorbei. Keiner kümmert sich mehr um ihn...“ 
„Ja, natürlich!“, unterbrach ihn Schnabel emsig und flog ein kleines Stück voraus. Da sahen sie die Karotte, sie war gut erhalten und, wie Stachel sagte, ein „Prachtexemplar“. 
Beide setzten sich nun zusammen und besprachen den Plan - dann flog Schnabel, wie abgemacht, auf die Karotte zu und setzte sich mit einem Schwung auf die Nase des Schneemanns. Tatsächlich, die Karotte fiel direkt vor Stachel in den Schnee. „Jaaa“, freute sich Schnabel, wurde aber sofort wieder ernst. 
„Was ist los?“, fragte Stachel besorgt. 
„Jetzt haben wir zwar die Geschenke beisammen, doch wie kann ich das alles nach Hause tragen? Das ist doch viel zu schwer!“ 
Statt eines beruhigenden oder tröstenden Wortes erhielt das Spätzchen aber nur das laute, schnaufende Lachen des Igels zur Antwort. „Aber das ist doch gar kein Problem!“, rief Stachel zur Verwunderung Schnabels aus. Er flüsterte eine kleine Weile mit Schnabel und nun luden beide gemeinsam den Ast mit den Nüssen und die große Karotte auf den Rücken des Igels. Durch die Stacheln wurden die Geschenke festgehalten und der erschöpfte Schnabel konnte sich sogar noch obenauf setzen - er kommandierte Stachel mit lauten Ausrufen wie „Reeeeechts!“ und „Weiter, weiter und STOPP!“ in Richtung der alten Tanne.

Schließlich kamen sie durchfroren, aber erleichtert zu Hause an. Sie hatten sogar noch Zeit, die beiden Geschenke in Blätter zu hüllen und mit einem Grashalm zu umbinden. 
Um die Überraschung perfekt zu machen, flog Schnabel vor und lockte Löffel und Pinsel aus der Höhle. Nach dem vereinbarten Pfiff schnaufte schließlich der mit den Geschenken vollbepackte Stachel um die Ecke und Schnabel kündigte stolz an: „Das kleinere Geschenk ist für Pinsel, das größere ist für Löffel und der Igel ist ein Freund für uns alle!“
Nun stellte Schnabel das Igelchen offiziell seinen Freunden vor und Stachel wurde herzlich in die Gruppe aufgenommen. „Es ist schön, mit so vielen Freunden Weihnachten zu feiern“, seufzte Löffel glücklich und fiel allen nacheinander in die Arme, wobei er Schnabel fast zerdrückte. 
Dann meldete sich Stachel zu Wort und schnaufte: „Ich würde trotzdem gerne in den nächsten Tagen in meine Blätterhöhle zurückkehren. Aber es ist wundervoll, mit euch gemeinsam zu feiern - ich freue mich schon aufs nächste Jahr!“ Dann wandte er sich zu Schnabel und sagte: „Dank dir habe ich sogar ein Nutzen für meine Stacheln gefunden!“ 
Alle setzten sich vor der Tanne zusammen und stellten einstimmig fest, dass eine neuer Freund doch das beste Weihnachtsgeschenk ist, das man sich träumen kann.

Langsam verbreiteten sich wieder die roten Strahlen der Abendsonne auf der Landschaft und stellten die alte Tanne in ein besonderes Licht. 
Von Weitem hörte man noch das zufriedene und zugleich gerührte Schnaufen des Igelchens: „Das ist das schönste Weihnachten, das ich je erlebt habe!“

Weihnachtsgeschichte 3

Auch dieses Jahr zur Weihnachtszeit blieb die klirrende Kälte nicht aus - eisiger Wind fegte über die Landschaft und trug dicke weiße Schneeflocken mit sich, die sich in Wirbeln durch die Luft bewegten und schließlich langsam zu Boden sanken. Alles war in einheitliches weiß getaucht. Die ersten Sonnenstrahlen des neuen Tages ließen die Schneedecke in allen Farben funkeln und brachen sich im klaren Eis des zugefrorenen Sees. Die dunkelblaue Farbe des nächtlichen Himmels wechselte allmählich in ein reines und freundliches hellblau.

Das Rascheln, welches aus einer kleinen Baumgruppe zu kommen schien, wurde weit mit der kühlen Luft bis ins Waldesinnere des angrenzenden Wäldchens getragen. Eine große und mächtige Tanne bildete das Zentrum der Baumgruppe, die direkt an den zugefrorenen See angrenzte.
Ein kleines und noch sehr verschlafenes Eichhörnchen lugte vorsichtig aus der Höhle im Stamm der großen Tanne hervor, streckte sich ausgiebig und riss das Mäulchen zum Gähnen weit auf - eine der dicken Schneeflocken, die leise vom Himmel rieselten, wurde vom Wind direkt in Richtung der Tanne getragen und schwebte zielstrebig dem kleinen Eichhörnchen entgegen. Sie flog mit einem Windstoß tief in den Rachen des armen Hörnchens, welches vor Schreck die Augen weit aufriss und hustete und schluckte. „Na, das fängt ja wieder mal gut an“, schimpfte unser Freund Pinsel, den wir bereits in den vorigen Folgen kennenlernten. „Immerhin bin ich jetzt richtig wach!“

Auch Löffel, der Schneehase und Schnabel, der Spatz, kamen langsam aus der Höhle gekrochen und reckten und streckten sich. Schnabel plusterte sich auf, breitete seine kleinen Flügel aus und flog - wie jeden Morgen - eine Runde um die Tanne. 
Pinsel kicherte: „Immer diese Morgengymnastig...“, als das Spätzchen wiederkam.
Dieses jedoch schien besorgt zu sein. „Was ist denn los?“, fragte Löffel interessiert. „Hast du was entdeckt?“ 
„Nein, ganz im Gegenteil“, piepste Schnabel und hüpfte unruhig hin und her. „Ich kann den Blätterhaufen von Stachel nicht mehr finden...“.

Stachel, der Igel, der seit letztem Weihnachten Freundschaft mit den dreien geschlossen hatte, sollte diesen Abend eigentlich zur Tanne kommen und mit den anderen gemeinsam feiern. „Hoffentlich ist ihm nichts passiert... Wir müssen unbedingt nachsehen!“ meldete sich Pinsel zu Wort. Die anderen stimmten zu und machten sich sofort auf den Weg. Wie immer, wenn es besonders windig war, lief Pinsel zuerst und grub den Weg in die Schneedecke. Löffel folgte und fasste Pinsel am buschigen Schwanz. Schnabel, das Spätzchen, hielt sich mit seinem Schnabel an Löffels Ohren fest und konnte somit fliegen, ohne vom Wind weggeweht zu werden.

Immer wieder rutschte einer von ihnen aus oder blieb im Schnee stecken, schließlich gelangten sie aber doch zum Anfang des Wäldchens. 
„Was ist denn hier passiert?!“, rief Löffel aus. 
Sie konnten den Blätterhaufen nirgends entdecken; wahrscheinlich war er durch den kräftigen Wind zerstört worden. 
„Hier ist ja gar nichts mehr, nur ein paar restliche Blätter... Stachel, Staaaachel, wo steckst du denn?“, piepste Schnabel entsetzt. 
„Das hat doch keinen Zweck“, seufzte Pinsel. Da zog Löffel, der noch immer das Eichhörnchen festhielt, fest an Pinsels Schwanz, sodass dieser vor Überraschung aufsprang.
„Schaut mal, wenn das nicht die Spuren eines Igels sind...“, rief Löffel aus. 
Sofort flog Schnabel in die Richtung, die das Schneehäschen andeutete und untersuchte die Spuren fachmännisch. „Das kann nur Stachel gewesen sein!“, piepste es und gemeinsam folgten sie, sich wieder gegenseitig festhaltend, den Spuren. 
Sie gelangten nach einiger Zeit zu einem Hügel. Löffel schaffte ein morsches Holzstück herbei und setzte sich in die Mitte. Dann befahl er den anderen, es ihm gleich zu tun - und, noch ehe Schnabel und Pinsel verstanden, was er vorhatte, rutschten sie wie auf einem Schlitten den Hügel hinunter. 
„Aaaah!“, schrie das ängstliche Eichhörnchen entsetzt, doch Schnabel und Löffel jauchzten vor Vergnügen. Mit einem lauten Krach landeten sie am Fuße des Hügels und schlitterten durch den Schwung auf die Eisfläche des zugefrorenen Sees. 
„Hier sind wir also“, piepste Schnabel und Löffel fügte hinzu: „Wir konnten auch keine Orientierung haben, denn schließlich war es neblig und auch durch den Schnee konnte man nichts erkennen.“ 
„Dann ist es unserem Freund Stachel wohl auch so ergangen und er hat sich verirrt.“, meinte Pinsel. 
„Dann muss er hier irgendwo sein, denn eben haben wir seine Spuren doch noch gesehen“, fügte Schnabel hinzu. 
Nun schlinderten sie gemeinsam übers Eis und riefen abwechselnd nach Stachel. 
„Moment mal“, rief Löffel. „Ich glaub ich hab eben was gehört!“

Sofort waren Pinsel und Schnabel still und lauschten angestrengt. Schließlich nahmen sie ein leises Plätschern war. 
„Wie kann es denn sein“, fragte sich Pinsel, „dass wir Wasser hören, wenn doch der See eigentlich zugefroren ist...“. 
Die Stille wurde von dem plötzlichen Aufschrei Schnabels unterbrochen: „Dann muss Stachel eingebrochen sein!!!“. 
Durch Löffels gute Ohren konnten sie schließlich das Loch in der Eisdecke ausmachen und sahen schon von Weitem ein kreisrundes Loch im Eis und einen braunen Fleck, der Stachel sein musste. 
Der kleine Igel paddelte kreisförmig entlang des Eises im Wasser. Er konnte sein Gesicht vor Erschöpfung kaum noch über Wasser halten, kleine Wellen schwappten über seinen entkräfteten Körper und sein Gesicht. 
Pinsel schrie: „Staaachel, keine Angst, halte durch, wir helfen dir!“. 
Schon flog Schnabel zu Stachel hin und schob ihn somit an den Rand des Eises. Pinsel hielt seinen Schwanz ins Wasser, sodass sich der Igel daran festhalten konnte und Löffel zog ihn mit aller Kraft aus dem Wasser. Erschöpft seufzte das Igelchen auf und hauchte ein leises „...danke...“.

Ganz vorsichtig kuschelten sich Löffel, Pinsel und Schnabel an den Igel, um ihn wieder aufzuwärmen. Dabei mussten sie aufpassen, um sich nicht an den Stacheln des bibbernden und zitternden Igels zu stechen. 
„Wi-wi-wir kö-kö-können doch ni-ni-nicht hier auf de-de-dem Eis bleiben, da wi-wi-wird uns doch nie wieder warm...“, schnatterte das Spätzchen schließlich. 
„Da hast du recht“, stimmte Löffel zu. Auch das sonst so lebhafte Eichhörnchen, das schon bedenklich still geworden war, nickte ebenfalls zustimmend.

Also rafften sich die vor Kälte träge gewordenen Freunde auf und schoben und zogen das Igelchen bis zum Ufer des Sees. Sie legten Stachel auf das morsche Holzstück, welches ihnen als Schlitten gedient hatte, und konnten ihn somit leichter über die tiefe Schneedecke ziehen.

Bald schon konnten sie die kleine Baumgruppe mit der großen alten Tanne durch die schneegefüllte Luft erkennen. „Gleich sind wir daheim...“, seufzte Pinsel erleichtert. 
„Zum Glück ist der Weg nicht so weit gewesen“, piepste Schnabel und flog schon voraus.

Einige Zeit später kuschelten sich die vier Freunde bereits in die Höhle im Baumstamm der alten Tanne zusammen, knabberten an Nüssen aus Pinsels großzügigem Wintervorrat und schöpften langsam neue Kräfte. Nun konnte auch Stachel berichten, was sich eigentlich zugetragen hatte: „Nun, als ich heute erwachte, war es noch immer Nacht. Ich hatte den Wind heulen gehört und erschrak fürchterlich, als plötzlich mein Blätterhaufen über mir zu wanken begann...“. 
„Ist er dann eingestürzt? Erzähl doch weiter!“, drängte Schnabel ungeduldig. „Richtig“, nickte Stachel. „So hat es sich zugetragen. In sehr kurzer Zeit löste der Wind alle Blätter aus meinem Haufen und wehte sie weit fort. Langsam wurde es schließlich heller und ich hörte Pinsel ganz leise fluchen - der Wind hat die Geräusche von eurer Tanne bis zu mir in das Wäldchen getragen... Jedenfalls war ich beruhigt, euch zu hören, und wollte sofort aufbrechen. Wir hatten zwar abgemacht, dass ich am Abend komme, aber unter diesen Umständen, so dachte ich mir, habt ihr nichts dagegen, wenn ich euch schon früher besuche. Ich machte mich also auf den Weg, aber da überraschte mich der Nebel und der dichte Schneefall. Da verlor ich die Orientierung und rutschte plötzlich von einem Hügel bis weit auf den zugefroren See. Als ich mich aufrappelte und zurückkriechen wollte, brach ich in das Eis ein und kam nicht mehr heraus. Ich musste also schwimmen, um nicht unterzugehen und um mich warmzuhalten.“ 
„Und dann, und dann...“, piepste Schnabel glücklich, „und dann haben wir dich gerettet!“ 
„Ja, dann habt ihr mich gerettet!“, seufzte Stachel voller Freude. Nun beschlossen Löffel, Pinsel und Schnabel, dass sich Stachel direkt vor dem Stamm der alten Tanne einen Blätterhaufen bauen sollte. „Dann sind wir alle zusammen und können viel mehr spielen!“, freute sich Pinsel.

Gemeinsam seufzten die vier Freunde noch: „Das ist das schönste Weihnachten, das wir je erlebt haben!“ und schon legte sich die Nacht wie ein tiefblauer Teppich mit funkelnden Sternen freundlich und beschützend über die schneebedeckte Landschaft. Weit hörte man noch das zufriedene Schnarchen und Schnuffeln unserer vier Freunde aus der Höhle im Stamm der alten Tanne - vielleicht träumen sie ja schon vom nächsten Weihnachtsfest...

Weihnachtsgeschichte 4

Auch dieses Jahr, zur Weihnachtszeit, war alles wieder mit weißem Schnee bedeckt: Die Landschaft funkelte und glitzerte in den ersten noch rosa gefärbten Sonnenstrahlen und vereinzelte Schneeflocken sanken sanft auf die immer dicker werdende Schneedecke.

Der See am Fuße des Wäldchens war mit einer kristallklaren Eisschicht bedeckt und glitzerte wie ein Spiegel im ersten Licht des neuen Tages. Durch die Kälte klangen die Naturgeräusche viel klarer und fast unwirklich - wie... 
„Wie wenn man sich in einer - na, ich würd sagen... Märchenlandschaft befindet - jawoll!“...
Moment mal, wer hat das eben gesagt?! Das ist zwar eine treffende Beschreibung, aber wer bitteschön mischt sich da in meine Geschichte ein?!

„Löffel, das hast du aber schön gesagt, hihi...“. 
„Schon so – schnauf - poetisch am frühen Morgen? Oh, seid lieber ruhig, ich glaube, Schnabel schläft noch. Pssst!“
Ja wenn das nicht unsere Freunde Pinsel, das Eichhörnchen, Löffel, der Schneehase, Stachel, das Igelchen und Schnabel, das - scheinbar noch schlafende - Spätzchen, sind!!!
Wie auch die Jahre zuvor verbrachten sie das Weihnachtsfest gemeinsam in und unter der alten majestätischen Tanne, die den Mittelpunkt der Baumgruppe bildet.

Langsam regte sich auch das Spätzchen und riss den Schnabel weit für ein ausgiebiges, lang andauerndes Gähnen auf: „Uuaaaaaaaaaach – hmmmm - guten Morgen allerseits...“.
„GUUTEN MOORGEN!“ brüllte der Rest und somit war auch das Spätzchen auf einen Schlag wach. 
Pinsel war schon geschäftig dabei, mal wieder viel zu viele Nüsse auf einmal den Baum hochzuschleppen. Das Eichhörnchen ächzte, wackelte und fluchte – vorsichtshalber entfernte sich Stachel aus dem Blätterhaufen, der direkt unter der Tanne gelegen war und brummte noch etwas mürrisch: 
„Bei Pinsel weiß man ja nie, also pass ich lieber auf...“ 
Doch zum Erstaunen aller triumphierte Pinsel schließlich mit lautem Geschrei: „Ich hab nix fallen gelassen!!! Keine einzige Nuss! Habt ihr gehört?!“ 
Obwohl Pinsel schließlich doch einige Nüsse aus den Pfoten fielen, landete keine einzige davon unten im Schnee... Seltsam, oder?

Löffel, der unten vor der Tanne hockte und eigentlich schadenfroh den schon fast zur Tradition gewordenen Nuss-Regen beobachten wollte, applaudierte und rief: „Das gibt’s ja nicht! Das hast Du toll gemacht! Kommt mal alle her!“
Denn Pinsel hatte, ohne es zu wollen, einige Nüsse auf die schneebedeckten Äste der alten Tanne fallen lassen – diese wirkte nun fast so wie ein unfertig geschmückter Weihnachtsbaum!
Neugierig glitt auch Schnabel aus der Höhle der Tanne und landete sanft neben Löffel im Schnee. Auch das Igelchen verstand nun, was Löffel gemeint hatte. 
„Au ja, lasst uns doch die Tanne wie einen echten Weihnachtsbaum schmücken!“ „Jaa“ und „Super Idee“ riefen alle laut aus und versammelten sich, um einen genauen Plan aufzustellen. 
Löffel übernahm die Planung und teilte seinen nun von Ehrgeiz gepackten Freunden ihre Aufgaben zu: So sollte Pinsel, der ja – laut Löffel- die „zündende Idee“ für die Aktion gehabt hatte, einfach weitermachen und die Nüsse aus seinem Vorrat auf den Ästen verteilen.

Stachel grub Blätter aus der Schneedecke und deponierte diese unter der Tanne - so konnte jeder Kletterfähige, der gerade Zeit hatte, die Blätter an den Nadeln der Tanne feststecken. 
Löffel selber wollte kleine Schneebälle formen und Schnabel sollte um die Tanne fliegen und die Position der verschiedenen Elemente festlegen, damit die Tanne auch von allen Seiten schön aussah. 
So begannen alle mit ihrer Arbeit und flitzten und wühlten und kletterten und flogen um die Tanne herum. 
Pinsel versuchte schließlich, die Schneebälle auf die Äste zu befördern, doch diese rutschten beim Transport immer wieder ab oder gingen kaputt. Schnabel flog beständig um die Tanne herum, doch langsam piepste er: „Irgendwie dreht sich alles- ich glaub mir wird schwindelig...“ und landete taumelnd im Schnee. Fürsorglich kam Stachel herbei und stupste das Spätzchen liebevoll an: „Nun übernimm Dich mal nicht, ne?“

Mit der Zeit wurde die Arbeit also recht beschwerlich und unsere vier Freunde sanken erschöpft an den Stamm der Tanne. 
Löffel ergriff erneut die Initiative und stellte sich vor seinen Freunden auf: „So geht das nicht weiter, wir müssen uns etwas einfallen lassen.“ „Es wird auch langsam dunkel“, bemerkte Pinsel. Da hatte er recht, tatsächlich sank die Tagessonne immer weiter dem Horizont entgegen und verfärbte den Schnee langsam rötlich. Schnabel seufzte: „Aber ich hätte so gerne einen festlich geschmückten Weihnachtsbaum als Zuhause!“
„So schnell geben wir aber nicht auf, keine Sorge, Schnabel!“, rief das Igelchen und sprang plötzlich auf. „Ich hab da eine Idee!“
Also rückten alle zusammen und besprachen Stachels Einfall.
„Also, Freunde“, rief Löffel schließlich erleichtert aus, „das ist die Lösung!“
Wie besprochen hoppelte Löffel zu dem Schneemann am Rande des Wäldchens und versuchte, an die Mütze zu gelangen, die dem Schneemann als Kopfbedeckung diente. Er hüpfte dreimal kräftig hoch und gelangte schließlich mit der Pfote an die Schnur der Mütze. So konnte er sie vom Kopf des Schneemanns herunterziehen. Eifrig setzte sich Löffel die Mütze auf - so ließ sie sich gut transportieren - und hoppelte zurück zur großen Tanne. 
Dort warteten bereits Stachel und Pinsel auf ihn, sie hatten aus dünnen biegsamen Ästen eine Art lange Schnur gefertigt. 
Schnabel saß auf einem dicken Ast der Tanne und hüpfte ungeduldig von einem Füßchen aufs Andere: “Beeilt Euch mal, ich kann es kaum noch abwarten! Hoffentlich funktioniert das auch!“
Was da genau funktionieren sollte, werden wir gleich erfahren.

Stachel und Löffel knoteten die Schnüre der Mütze an ihr Seil und übergaben die Konstruktion an Pinsel. Dieser wiederum nahm das Ende des Seils in den Mund und kletterte zu dem Ast, auf dem Schnabel saß. Schnabel flog emsig herbei und stützte das Eichhörnchen vorsichtshalber, damit es nicht das Gleichgewicht verlor. 
Gemeinsam schlangen die beiden das Seil um den Ast und ließen das Ende wieder hinabgleiten. „AAACHTUNG, Seil fällt!“, rief Pinsel lachend und kletterte den Baum wieder hinab.
„So, wer hilft mir, am Seil zu ziehen?“, fragte Löffel. 
„Am besten ich“, schnuffelte das Igelchen und tapste herbei. So nahmen Löffel und Stachel Position ein: Löffel hielt das Seil fest und Stachel hielt die Ohren des Häschens. „So kann ich dich nicht mit meinen Stacheln pieken, nech?!“, bemerkte der Igel hilfsbereit.
Pinsel lief zu der Mütze, die auf der anderen Seite herabhing und belud diese mit den zuvor gesammelten Blättern und Schneebällen. 
„Fertig!“, rief er und so zogen Löffel und Stachel an dem Seil. 
„Und EINS und ZWEI und EINS und ZWEI“, kommandierte das Spätzchen.
Als die beladene Mütze bis zu dem Ast hochgezogen worden war, rief Pinsel laut „Stop!“ und konnte nun mühelos die Schneebälle und Blätter aus der Mütze nehmen und verteilen. „Wenn man die Sachen erstmal oben hat, ist es ganz leicht!“, freute sich Pinsel und bald war alles auf der Tanne verteilt. 
„Prima sieht das aus!“, flötete Schnabel, flog jauchzend um die Tanne und setzte sich schließlich auf die Spitze des nun reichlich geschmückten Weihnachtsbaumes.
Stachel, Pinsel und Löffel setzten sich in einiger Entfernung in den Schnee, kuschelten sich aneinander und bestaunten gemeinsam ihr Werk: Die Schneebälle funkelten in den letzten Sonnenstrahlen und auch die festgesteckten Blätter glänzten im letzten Licht. 
„Oh, wie schön!“, seufzte Pinsel und kuschelte sich ganz dicht an Löffel, der etwas verlegen zur Seite rutschte. „Das ist unser Weihnachtsbaum...“, bemerkte nun auch Stachel stolz und schaute zu dem Spätzchen auf, das noch immer auf der Spitze der Tanne saß. „Du gehörst jetzt auch zum Weihnachtsschmuck!“, rief Löffel zu Schnabel. Der Spatz hob stolz seine Brust und stimmte „O Tannenbaum“ an.

So verbrachten unsere vier Freunde den Abend, sangen gemeinsam und bestaunten die Tanne. 
Löffel beruhigte auch den Igel, der sich etwas Sorgen um den Schneemann machte: „Wir bringen die Mütze morgen wieder zurück zum Schneemann. Da mach Dir mal keine Gedanken.“ Dankbar schaute der Igel zum Schneehasen und alle seufzten noch: „Das ist das schönste Weihnachten, das wir je erlebt haben!“
Noch bis in die Nacht sangen die vier Freunde, Ihre Stimmen schallen noch immer weit durch die klare Winterluft. 
Und wenn Du ganz still bist, kannst Du sie vielleicht auch noch singen hören...

Weihnachtsgeschichte 5

"Leise rieselt die Nuss, dass man rehennen muss!", klang es durch die schneeweiße Landschaft, die die einfallenden rosafarbenen Sonnenstrahlen reflektierte und wunderschön glitzerte. Der Wind trug vereinzelte Schneeflöckchen sanft in Richtung einer romantischen Baumgruppe am Rande eines kleinen zugefrorenen Sees, deren Zentrum eine mächtige schneebedeckte Tanne bildete...

Aber, Moment mal, was war das für ein eigenartiger Gesang eben? Heißt es denn nicht "Leise rieselt der Schnee"?
Vielleicht denkt ihr ja dasselbe, das ich gerade denke - das hört sich an, als würde sich jemand über Pinsel, unseren alten Freund, das Eichhörnchen, lustig machen...
"Du hast deinen Appetit immer noch nicht im Griff, was?", kugelte sich ein Spätzchen vor Lachen. Aber den kennen wir doch auch schon - das ist Schnabel. Und da sind ja auch Löffel, der Schneehase und Stachel, der kleine Igel, die da am Fuße der Tanne sitzen. 
Sie machen sich, wie jedes mal zur Winterszeit, darüber lustig, wie sich das zugegeben etwas verfressene Eichhörnchen bemüht, zu viele Nüsse auf einen Streich in die Höhle der Tanne zu transportieren und dabei regelmäßig einige Nüsse aus den Pfoten verliert...
An einer Nuss herumkauend erwiderte Pinsel: "Imm-hin b-mühe ich mich und tu was, währ-nd ihr wohl nichts zu tun-habt!". 
Aber er lächelte freundlich seinen drei Freunden zu - sie meinten es ja nicht böse.
"Eigentlich hat Pinsel recht", gab der Igel zu und schaute fragend in die Augen von Schnabel und Löffel. "Wir sollten dieses Weihnachten nicht einfach so verstreichen lassen!", rief Löffel eifrig aus und Schnabel ergänzte: "Bisher war noch jedes Weihnachtsfest irgendwie aufregend, das wir zusammen verbracht haben, nech?"
"Was tuschelt ihr da?", fragte Pinsel und huschte interessiert zu seinen Freunden unten im Schnee. "Wir haben nur überlegt, ob dieses Weihnachten wieder so aufregend wird wie all die Male davor!", erklärte Schnabel.
Ihr erinnert Euch doch auch noch an die Abenteuer zuvor, oder? 
"Hihi, es fehlt eigentlich nur noch, dass der Weihnachtsmann höchstpersönlich vorbeikommt und 'Guten Abend, Pinsel!' sagt!", rief Pinsel lachend aus. 
"Warum lachst Du denn?", fragte Schnabel erstaunt. 
"Es gibt doch gar keinen Weihnachtsmann!", brüllte Löffel etwas voreilig. 
Alle schauten ziemlich verdutzt zuerst auf den vorlauten Löffel und dann auf das kleine Spätzchen, welches mühsam die Tränen zurückzuhalten schien. Es plusterte sich auf und sagte ganz leise mit zitterndem Schnabel: 
"Doch, es GIBT den Weihnachtsmann. Ich glaube fest daran... ja, das tu ich...".

Das Spätzchen räusperte sich, flog schnell in die Höhle der Tanne und verriegelte den Eingang von innen. Ganz leise konnten die drei anderen noch das verzweifelte Schluchzen des armen Spätzchens hören.
"Ohjee!", sagte Stachel mitfühlend. 
"Das ist alles meine Schuld!", rief Löffel nun nicht mehr ganz so laut aus und hopste verschämt von einem Fuß auf den anderen. 
"Ja, und jetzt?", fragte Pinsel traurig. "Wir haben ihm die Hoffnung genommen, dass es den Weihnachtsmann gibt. Aber vielleicht könnten wir ja... DAS ist es!". Verzückt hüpfte Pinsel in die Höhe und sein buschiger Schwanz stand vor Aufregung ganz gerade ab.
Die drei Freunde tuschelten leise, kicherten und fassten sich an den Pfoten. "Gemeinsam kriegen wir das wieder hin!", freute sich Löffel. Ihm war die Erleichterung anzusehen, seine Augen glänzten nun wieder freudig. 
"Jetzt muss nur noch alles gutgehen", brummte Stachel und lächelte dabei.

Wie abgemacht, lief Stachel zur Tanne und redete einfühlsam auf Schnabel ein, welcher zwar nicht reagierte, aber wohl doch alles hörte. 
"Es tut mir sehr leid, aber den Weihnachtsmann gibts wirklich nicht", sagte Stachel mit seiner warmen Stimme. "Ich kann verstehen, dass du traurig bist. Ich hab mit den anderen gesprochen und wir haben beschlossen, dich allein zu lassen, damit du etwas Ruhe zum Nachdenken findest und wir dich nicht nerven. Heut Abend sind wir wieder zurück. Schließlich wollen wir Heilig Abend zusammen verbringen. Bis dann!" Stachel drehte sich langsam um und stapfte zurück zu Löffel und Pinsel, die sich um ihn scharten und ihn lobten:
"Das hast du großartig gemacht, Stachel!". 
"Ja wirklich!".

Dann machten sie sich auf den Weg und besprachen, als sie außer Sichtweite der Tanne und "somit auch außer Hörweite von Schnabel" waren, wie Pinsel emsig erklärte, den weiteren Plan.
"Wir benötigen erstmal einen großen Ast von einer Tanne", stellte Stachel fest. "Aber nicht von unserer!", betonte Löffel. "Natürlich nicht!", erwiderte Pinsel und wandte sich an Stachel, der die Diskussion amüsiert verfolgte. 
"Da macht euch mal keine Sorgen, wir nehmen bereits abgebrochene Äste, die schon im Schnee liegen. Die müssen viele Stacheln haben - so wie ich!", brummte Stachel nicht ohne Stolz. 
"Ich weiß, wo solche Äste liegen!", rief Löffel aus, hopste an den beiden vorbei und kam nach geraumer Zeit mit einem buschigen Tannenzweig wieder. 
"Den bringst du jetzt zum See. Wir müssen ein kleines Loch in die Eisdecke machen, aber ohne dass jemand einstürzt..." ergänzte Stachel bestimmt. 
"Ja aber wofür das denn?", wollte Löffel wissen. 
"Das wirste schon sehen!", antwortete Pinsel, der zwar auch keine Ahnung hatte, aber dem Igel vertraute: 
"Stachel weiß so viel, dann wird er auch das wissen, ne?"
Gerührt klimperte Stachel mit seinen schwarzen Äuglein und machte sich auf in Richtung des Sees. Löffel und Pinsel folgten ihm. Nun sprang Löffel auf die Eisfläche und hopste so lange, bis sich unter ihm Risse bildeten. Vorsichtshalber hielt er sich am Schwanz des Hörnchens fest, damit er, falls er einbrechen sollte, sofort herausgezogen werden konnte. Es ging aber alles gut und Stachel seufzte erleichtert. Sie legten den Ast auf die brüchige Stelle, auf welche nun ein wenig Wasser floss. "Den lassen wir nun da liegen und holen ihn abends ab!", bestimmte Stachel. 
Auch dieses Jahr benötigten die Freunde den kleinen Schneemann, der jedes mal zur Weihnachtszeit an der gleichen Stelle von einigen Kindern aufgebaut wurde. "Pinsel, geh du zum Schneemann und leih dir wieder die Mütze und den Schal, bitte!", befahl Stachel weiterhin. 
"Wird gemacht, Chef!", rief Pinsel emsig und flitzte davon. 
"Und was kann ich noch machen?", wollte Löffel wissen. 
"Ein echter Weihnachtsmann bringt doch Geschenke, also such du ein schönes Geschenk für den armen kleinen Schnabel!". 
"Fein, da hab ich eine Idee!", freute sich Löffel und hüpfte zielgerichtet in das Wäldchen. Er hoppelte so schnell, dass er fast außer Atem war, als er zu seinem Ziel gelangte. 
"Juhuu, da liegt er noch!", rief er freudig aus und nahm einen Knopf aus dem Schnee, den eines der Kinder, die den Schneemann gebaut hatten, verloren haben musste. Er suchte nach einem biegsamen Zweig und fädelte das Knöpfchen auf. Hurtig hüpfte er wieder zu Stachel, der geduldig wartete. Pinsel war schon wieder da, er hatte die Mütze und den Schal dabei. Stolz zeigte Löffel den beiden sein Geschenk und Pinsel und Stachel gaben zu, dass er eine wunderschöne Kette angefertigt hatte.
"Ja fein, dann haben wir ja schon alles, um uns zu verkleiden, und ein Geschenk haben wir auch!", freute sich Pinsel und nahm Löffel an die Pfote. "Habt ihr denn nichts vergessen?", fragte Stachel grinsend und deutete auf den See. 
"Ach ja, der Ast! Wofür brauchen wir den denn jetzt?!", wollten Pinsel und Löffel endlich wissen. 
Stachel erklärte den beiden nun: 
"Der ist jetzt angefroren, hat eine Eisschicht um die Nadeln. Der sieht jetzt fast so aus wie ein weißer Bart. Wenn wir ihn nun mit ein wenig Schnee bestäuben, ist er perfekt!". Fast ehrfürchtig liefen Pinsel und Löffel nun, um den Ast herbeizuholen. "Auf so eine raffinierte Idee wäre ich nie gekommen!", gab Löffel zu. 
"Ich auch nicht!", sagte Pinsel und fügte hinzu: "Aber dafür haben wir doch unseren Stachel!"
Nun machten sie sich gemeinsam auf den Weg zurück zur Tanne, in der ihr armer Freund alleine wartete. Sie zogen den gefrorenen Ast, den Schal und die Mütze hinter sich her. Kurz vor der Tanne grub Stachel die Schneedecke um und holte einige Blätter hervor, mit der Löffel und Pinsel seinen Rücken und somit auch seine Stacheln bedeckten. Dann hüpfte Löffel vorsichtig auf den Rücken des Igels und machte sich so groß er konnte. Pinsel warf ihm den Schal zu, den er wie einen Mantel um sich legen konnte und auch den Igel weitestgehend bedeckte. Nun kletterte Pinsel an den beiden hoch und setzte sich auf das Häschen. Er befestigte, wie abgemacht, den weißen Zweig vor seinem Gesicht und setzte sich die Mütze auf. Etwas wankend schritten unsere drei Artisten in Richtung der Tanne und blieben direkt vor der Höhle stehen. "Hoho, hier ist der Weihnachtsmann!", brummte Stachel mit verstellter Stimme, so tief er nur konnte. "Ich suche Schnabel. Ist der hier?" – 
"Werwer ist da?", fragte eine etwas ängstliche und zugleich ungläubige Spatzenstimme. 
"Ich bin der Weihnachtsmann und habe ein Geschenk für einen kleinen Spatz, der Schnabel heißt." 
"Ich bin Schnabel!" piepste das Spätzchen aufgeregt und kam sofort herbeigeflogen. "Meine Freunde haben gesagt, es gibt Dich nicht!", schwatzte Schnabel aufgeregt weiter und schaute staunend und ehrfürchtig auf den Weihnachtsmann. 
Dann bemerkte er das eigenartige Schwanken der Person vor sich und meinte auch, Löffels Kichern vernommen zu haben. Er ließ sich jedoch nichts anmerken und lauschte auf die tiefe Stimme, die sich irgendwie nach Stachel anhörte.
"Frohe Weihnachten, Schnabel!", sagte die Stimme nun würdevoll und die Gestalt schob das Geschenk zum Spätzchen. "Oh, eine Kette! Ist die aber schööön!". Schnabel war ganz aufgeregt und flatterte um sein Geschenk herum. Dann sah er hoch, aber der Weihnachtsmann war umgefallen. 
"Oh, ich helf euch!", rief Schnabel schließlich lachend aus und flog schnell herbei.
"Wieso 'uns'?", fragte eine verdutze Stimme, die nur Löffel gehören konnte. "Ohjeee, er hats rausgekriegt!", sagte eine weitere Stimme und schließlich krochen der enttäuschte Pinsel, der bedrückte Löffel und Stachel, der zunächst erstmal froh war, dass seine Freunde seinen Rücken verlassen hatten, hervor.

Doch zu ihrer Verwunderung weinte das Spätzchen nicht, sondern lachte schallend und ließ sich glucksend in den Schnee fallen: "Erst hätte ich euch das fast geglaubt, aber dann hab ich gemerkt, dass nur ihr das sein könnt! Hab das Kichern von Löffel gehört und auch Stachels Stimme erkannt. Und außerdem hattest du, Pinsel, deinen Schwanz mal wieder nicht unter Kontrolle. Der stand wieder ab, wie immer, wenn Du was ausheckst." 
Etwas verschämt hörten die drei Weihnachtsmänner Schnabel zu. Dieser erklärte zu ihrer Erleichterung aber:
"Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken: Eigentlich ist es doch ganz egal, ob es nun den Weihnachtsmann gibt, oder nicht! Das wichtigste ist, so tolle Freunde wie euch zu haben!" Schnabel umarmte erst Löffel, dann Pinsel und schließlich den gerührten Stachel.
"Das ist das schönste Weihnachten, das ich je erlebt habe!", seufzte das Spätzchen glücklich in der innigen Umarmung seiner Freunde. "Und danke nochmal für die schöne Kette...".

So kuschelten sich unsere vier Freunde gemeinsam in die kleine Höhle und verbrachten ein so schönes und besinnliches Weihnachtsfest wie auch Ihr, liebe Zuhörer, hoffentlich eines haben werdet!

Weihnachtsgeschichte 6

Auch dieses Jahr möchte ich die Gelegenheit nutzen, von der bunt gemischten Truppe zu berichten, die wir inzwischen so lieb gewonnen haben.
Lehnen wir uns also zurück und lassen uns ein auf eine winterliche Stimmung, die allmählich die Landschaft einnimt, indem Nebelschwaden sich sanft über die hügeligen Wiesen legen und sich stauen vor dem kleinen Tannenwäldchen, dessen grüne Spitzen wie stachelige Zipfelmützen aus der Nebeldecke hervorlugen.

Nehmen wir doch das Wäldchen etwas genauer in den Blick: Man erkennt eine große, majestätisch wirkende Tanne, die sich von den restlichen kleineren Tannen abhebt. Ah genau, da ist ja auch der kleine Teich, der sich unter der Lichtung, auf der die Tanne steht, wie eine ruhige glatte spiegelnde Fläche erstreckt. Fast hätte man ihn unter dem Nebel nicht gesehen, allein der sanfte Glanz im Widerschein des restlichen Tageslichts lässt zu, dass man ihn erahnen kann. Die kühle Luft senkt sich immer tiefer, es wird allmählich Nacht und es bleibt ein trüber Mondschein, der sich jetzt schemenhaft im Wasser des Teiches spiegelt.

„Brrrr!“, tönt es aus der großen Tanne hervor.
Aber wo kommt der Laut denn her? Bei näherem Hinsehen erkennt man, dass sich im dicken Stamm der Tanne eine kleine Höhle befindet. Die Äste, die sich in unmittelbarer Nähe zum Eingang befinden, erzittern dabei.
„Brrr...“ macht es noch einmal. 
Ein kleiner Spatz hüpft aus der Höhle hervor, setzt sich auf den Ast, der wie eine kleine Treppe vor dem Höhleneingang wächst und atmet die kalte Nachtluft in einem tiefen Atemzug ein. Dabei schwillt sein Bäuchlein an wie ein Luftballon, der an eine Luftpumpe angeschlossen ist. Er atmet langsam wieder aus und sein Bäuchlein nimmt wieder ab. Ein Wölkchen steigt empor, das der gefrierende Atem des Spätzchens hinterlassen hat. Der Spatz schaut sich um, plustert sich auf und senkt den Kopf ins Federkleid.
Er piepst leise „Japp, Pinsel, Du hast Recht. Es wird grad mächtig kalt“.
Pinsel – das Eichhörnchen mit den Spitzen Öhrchen, auf denen sich kleine Pinsel aus Fell vorwitzig in die Höhe recken – gesellt sich zu dem Spätzchen hinzu und kriecht ebenso aus der Höhle.
„Schön, nicht wahr, so eine kalte Nacht? Bestimmt kommt bald der erste Schnee.“
Es legt seinen Arm kumpelhaft um die Schulter des Spätzchens. So schauen beide eine Weile in die Ferne und staunen, wie verschwommen der Mondschein die nächtliche Landschaft weichzeichnet. Ein Schnarchen ertönt aus der Höhle. Langsam, gleichmäßig.
„Der hat aber auch eine Lautstärke drauf“, lacht Pinsel und meint damit den Schneehasen Löffel, der die ruhige Stimmung immer wieder laut schnarchend unterbricht. Er schläft tief und fest in der Höhle der Tanne und hat scheinbar nichts von dem kleinen Ausflug seiner beiden Freunde mitbekommen.
„So, wie der sägt, könnte man meinen, die Tanne fällt bald um“ bestätigt Schnabel die Meinung von Pinsel.
Pinsel klettert prompt den Baumstamm hinab - ganz flink und kopfüber den Baumstamm umkreisend, während der den buschigen Schwanz einsetzt, um die Balance zu halten. Seine Bewegung sieht so aus, als sei dort eine Wendeltreppe, die er hinabflitzt. Unten angekommen stochert er hastig mit einem Stock in dem Blätterhaufen unter der Tanne herum, in dem der kleine Igel Stachel zu Hause ist. „Stachel.. Staaachel – bei Dir alles in Ordnung?“ lacht Pinsel und begründet sein doch etwas aufdringliches Verhalten – es ist wohlbemerkt mitten in der Nacht – damit, dass er ausgehend von dem Schnarchen des Schneehasens, nur „die Statik des Blätterhaufens überprüfen möchte“, um „etwaigen – wie sagt man – Schnarch- und Säge-Schäden“ auf den Grund zu gehen.
Stachel, der kleine Igel, ist zum Glück stets höflich und für seine gedulige Art bekannt. Trotzdem er aus dem Schlaf geholt wurde, reagiert er nachsichtig und amüsiert und murmelt noch etwas müde, dass Pinsel sich keine Sorgen machen müsse. Es sei alles in Ordnung. Er kriecht aus seinem Blätterhaufen hervor.
„Hmmm… jetzt bin ich wach!“ lächelt Stachel seine Freunde an. Plötzlich hört das Schnarchen auf und Löffel, der Schneehase, hüpft in einem Satz aus der Höhle, begleitet von einem inbrünstigem Schrei, der sich in etwa so anhörte: „Hui-uaaaaaaah!!!“. Selbst etwas erschrocken über seinen plötzlichen Auftritt schaut Löffel mit weit aufgerissenen Augen in die komplette Runde seiner Freunde. „Schneeee!“ ruft er. „Schneeeeee!“
Löffel, der Schneehase, hat es im Blut. Er spürt stets, wann der erste Schnee sich auf den Weg macht.
Anerkennend tauschen seine Freunde Blicke erst untereinander aus und heben diese dann zum nächtlichen Himmel empor. Und tatsächlich! Ganz feine Schneekristalle treten aus dem Nebel hervor und rieseln tanzend hinab.
„Da sag doch mal einer, ich hätte es nicht drauf“ sagt Löffel stolz.
Bewundernd stimmen ihm seine Freunde zu, die immer wieder überrascht sind, woher Löffel diesen Spürsinn hat.
„Leute, ich bin ein Schneehase. SCHNEE-Hase. Die Antwort steckt da doch drin. Ich kann es eben. Wer, wenn nicht ich?!“ ruft Löffel auf und hüpft zunehmend gut gelaunt in dem allmählich stärker werdenden Schneetreiben herum.
„Jetzt sind wir ja wirklich ALLE wach“, stellt Stachel fest.
„Und… liebe Freunde… was machen wir denn jetzt?“ fragt Schnabel, der seine Müdigkeit inzwischen vergessen hatte.
„Das ist doch was Besonderes, wir alle wach, mitten in der Nacht. Aber Weihnachten ist doch noch ein bisschen hin, noch gibt es ja garnicht viel zu feiern“.
„Doch, den ersten Schnee, den ersten Schnee!“ ruft Löffel immernoch begeistert hüpfend aus.
Pinsel schüttelt den Kopf, wendet sich Stachel zu und bemerkt wissend:
„Den können wir erstmal vergessen. Der ist grad in einer ganz anderen Welt.“
Stachel lacht: „Lass ihn, er darf das doch. Liegt in seiner Natur“.
Trotzdem schafft es Löffel schließlich, sich zumindest ein wenig zusammenzureißen und sich seinen Freunden allmählich wieder zu öffnen.
„Jetzt wieder ins Bett wäre unspektakulär, oder?“, piepst Schnabel vorwitzig.
„Ich rieche Abenteuer“, stellt Pinsel fest und schnuppert mit erhobener Nase einer Schneeflocke nach, die sich kreisend auf den Boden senkt.
„Sonst machen wir doch verrückte Ausflüge erst kurz vor Weihnachten“, stellt wiederum Stachel sachlich fest.
Recht hat er. Aber dieses Jahr scheint es anders zu sein. Er fährt fort: „Es sind noch ungefähr vier Wochen bis zum Fest. Ganz schön lange...“
Schnabel hüpft hoch, flattert unterstützend ein paar Flügelschläge und ruft aus: „Ich habs. DAS hatten wir noch nie!!! Wie wäre es, wenn wir einen Adventskranz anfertigen? Dann können wir jeden Sonntag ein Lichtlein entzünden und dann kommt uns die Zeit bis Weihnachten nicht mehr so lange vor.“
„Einen – waaas?!“ rufen die anderen aus. Das hatte noch nie jemand von ihnen gehört. Schnabel erinnert, dass er am weitesten von allen herumgekommen war, bevor er in die Wohngemeinschaft in und an der großen Tanne einzog.
„Ich hab das gesehen bei den Menschen im Dorf“ erklärt er. „Sie zünden vor dem Weihnachtsfest jeden Sonntag eine Kerze an. Vier sind es insgesamt. Sie haben einen runden Kranz aus Tannengrün gebastelt, dekorieren ihn und stellen die Kerzen darauf. Die Zeit vor Weihnachten nennt man ‚Advent‘“. Da staunen die anderen nicht schlecht.
„Wieder was gelernt“ bemerkt Pinsel. Und ist direkt begeistert.

Die Freunde beschließen, das ungeplante nächtliche Treffen als Zeichen zu interpretieren, gemeinsam ihr Vorhaben umzusetzen und der Abenteuerlust und dem entstandenen Pioniergeist nachzugehen.
Sie stecken ihre Köpfe zusammen, man hört ein Tuscheln und kichern, und Pinsel nutzt den Stock, mit dem er den Igel weckte, um Skizzen in die inzwischen entstandene Schneedecke zu zeichnen, wie der Adventskranz aussehen könnte. Alle vier Freunde tauschen engagiert ihre Ideen aus, sprudeln inzwischen voller Tatendrang und vergessen darüber, dass es in der Höhle oder im Blätterhaufen eigentlich gemütlicher und wärmer sein könnte.
Schließlich steht der Plan. Pinsel – vorwitzig wie immer – delegiert alle Aufgaben.
„Schnabel, Du sammelst kleine Zweige, damit wir einen runden Reifen aus Geäst anfertigen und ihn als Grundgerüst für unseren Kranz nutzen können!“.
Schnabel salutiert und lacht dabei. „Wird gemacht!“, piepst er und flattert los.
„Löffel, Du formst kleine Schneebälle, die wir als Dekoration nutzen können!“ ruft Pinsel weiter.
„Jawohl, Herr General“ lacht Löffel und wirkt glücklich, mit einer schneebezogenen Aufgabe betraut worden zu sein.
„Wie kann ich denn helfen?“ möchte Stachel wissen.
„DU kannst Tannengrün besorgen!“
„Aber bitte nicht von unserem zu Hause“, merkt Stachel an. „Es gibt genug Äste von kleineren Tannen, die der Wind bereits abgeknickt hat. Die suche ich dann zusammen.“
Diesmal salutiert Pinsel vor Stachel, und wirkt dabei fast ehrfürchtig, da Stachel stets so weise Gedanken hat.
Alle Freunde gehen ihren Aufgaben nach. Pinsel ruft noch aus: „Ich kümmere mich dann um die Lichter“, aber er wird schon gar nicht mehr gehört, denn alle Freunde sind schon fleißig dabei, ihren Aufgaben nachzugehen und wandern oder flattern emsig in der Nähe der großen Tanne umher. Stachel ist sogar weiter unterwegs, bis zum Rand des kleinen Wäldchens.

Plötzlich fühlt sich Pinsel ganz allein, denn er stellt leise zu sich selbst murmelnd fest: „Tja… ich kümmer mich um das Licht. Aber - wie eigentlich?“ Er grübelt und grübelt und merkt allmählich, dass er keine Idee hat, wie er eine Kerze finden, basteln oder aus Dingen, die die Natur und direkte Umgebung der Tanne hergibt, nachahmen könnte.
So bleibt Pinsel betrübt bewegungslos im Schnee stehen, während seine Freunde fröhlich das Projekt vorantreiben.

Als alle anderen wieder eintrudeln, schnaufend, ächzend und bepackt mit den besprochenen Materialien, hat sich bereits ein Schneehäufchen auf dem Kopf des Eichhörnchens gebildet, das noch immer bewegungslos verharrt.
„Oh je, der sieht unglücklich aus“ ruft Schnabel aus und fegt Pinsel den Schneehaufen mit denen Flügelchen vom Fell.
Schnabel und Löffel nehmen Pinsel in ihre Mitte, nachdem Stachel einen liebevollen Nasenstubser ausübte, und geleiten ihn in die Höhle der Tanne. Dort konnte Pinsel aufwärmen und erklären, warum er – zu Beginn des gemeinsamen Vorhabens – noch so voller Tatendrang war und nun so unglücklich wirkte.
„Ich habe vor lauter Spaß an unserem nächtlichen Plan ganz vergessen, dass ich keine Ideen habe, wie man Lichter machen kann an den Adventskranz“. Ein Schluchzen schüttelte ihn, und er warf sich in die Arme seiner Freunde. „Ihr wart alle so fleißig und ich bin zu nichts Nutze.“
„Oh doch“, fasste Stachel ruhig zusammen. „Du hast doch die ganzen Ideen gehabt, wie wir Schritt für Schritt einen Kranz basteln“.
Schnabel bestätigte „Ich hätte das nicht so gut hinbekommen, die Verteilung der Aufgaben“.
Löffel ergänzte „Es tut mir leid, dass ich garnicht auf Dich geachtet habe. Aber ich war so froh. Über den Schnee. Weisst du...“
Pinsel seufzte. Es tat gut, auf so viel Verständnis zu stoßen. Trotzdem war er traurig. „Jetzt haben wir alle Materialien zusammen, aber das Wichtigste fehlt.“
Stachel schlug vor: „Wisst ihr was, meine lieben Freunde? Wir werden noch etwas aus dieser Nacht machen. Wir basteln jetzt den Kranz. So weit wir können. Und jeder kann beim Dekorieren helfen“.

Pinsel ließ sich ermutigen, auch mitzuhelfen. Und so entstand ein wunderschöner Kranz aus feinem Astgeflecht, gesäumt von Tannengrün, dekoriert mit kleinen Schneebällchen und ein paar Blättern aus Stachels Blätterhaufen. Pinsel gab sich einen Ruck und steuerte sogar – natürlich nur leihweise – ein paar Nüsse aus seinem Vorrat bei, um den Kranz aufzuhübschen.

Inzwischen war Morgen geworden und unsere Freunde bemerkten, wie müde sie geworden waren. Es war ja eine beinahe schlaflose Nacht, die hinter allen lag, voller Ereignisse. Im Morgenlicht brachten sie den Kranz über der Höhle am Baumstamm an. Sie versammelten sich vor der Tanne und begutachteten schließlich ihr Werk. Schnabel seufzte und wirkte dabei gelöst und fröhlich: „Es sieht soo schön aus. Es fehlen gar keine Kerzen.“
Löffel ergänzte „Schau, wie das rötliche Morgenlicht in den kleinen Schneebällchen glitzert. Da brauchen wir wirklich gar keine Kerzen“.
Stachel war es schließlich, der es auf den Punkt brachte: „Äste von Schnabel, Nüsse von Pinsel, Schnee von Löffel und Blätter von mir. Unser Adventskranz besteht aus vielen Teilen, die uns alle ausmachen. Ein Symbol unserer Freundschaft“.
Pinsel schaute nacheinander in die lächelnden Gesichter seiner Freunde. Er stellte fest, dass der Glanz in ihren Augen heller schien als jede Kerze und ihn von innen wärmte, was keine Kerze der Welt so hinbekommen hätte.

Es kann kommen. Das Weihnachtsfest. Die Adventszeit ist schon da. 

Und wie jede Geschichte unserer Freunde ihren Ausklang fand, geschieht es auch jetzt. Denn man hört, weit über die weiß glitzernde Schneelandschaft hinaus, noch den Ausruf unserer vier Freunde: „Das wird das schönste Weihnachten, das wir je erlebt haben“.
Und man hört noch Schnabel, der mit piepsiger Stimme lacht: „Sagen wir das nicht jedes Jahr?“

Weihnachtsgeschichte 7

Eine beschauliche winterliche Landschaft erstreckt sich vor uns, verschwimmt in pastellfarbenen Blautönen mit dem blassblauen klaren Himmel am frühen Morgen. Ein zartes Glitzern von Eiskristallen im Schnee untermalt den märchenhaften Charakter dieses schönen Eindrucks. Die Kälte scheint nicht nur die Wiesen und Bäume, sondern auch ein wenig die Zeit einzufrieren. Es ist still und wirkt friedlich.
Aber etwas ist anders diesen Winter. Doch was ist es genau?

Unsere Freunde - kennt ihr sie eigentlich noch? - toben nicht wie gewohnt durch das Wäldchen nahe der großen Tanne, an der Lichtung, vor dem eingefrorenen kleinen See.
Warum ist es überhaupt so still? Kein Lachen, kein Scherzen, kein freudiges Ausrufen im Zuge gemeinschaftlicher Kebbeleien...

Dieses Jahr müssen wir uns wohl erstmal auf jeden Freund alleine konzentrieren...

Was macht denn Stachel, der freundliche Igel mit den glänzenden tiefschwarzen Augen und der feuchten kleinen dunklen Nase? Oh, da hört man ein Schnuffeln im Blätterhaufen vor der Tanne. Da scheint er zu sein... aber sehen können wir noch nichts.

Wie geht es Pinsel, dem vorwitzigen und stets leicht gestresst wirkenden Eichhörnchen mit der Sammelleidenschaft für Nüsse jeder Art? Oh, da bewegen sich einige Zweige schwingend auf und ab. Ist da etwa Pinsel über die Äste gehuscht und gesprungen? Hmm... jetzt ist es ruhiger. Nichts ist zu sehen.

Oh, doch, wartet! Schnabel könnte das sein, da hinten, am Stamm der grossen Tanne. Tatsächlich! Da sitzt ein kleiner Spatz am Höhleneingang, man kann sein glattes Schnäbelchen aufblitzen sehen. "SCHNABEL! HUHUUU! WIR SIND DAS!". Ob er uns gehört hat?
Erschrocken reißt das kleine Spätzchen die Äuglein auf und starrt suchend in die Ferne. "Ihr seid es wieder? Habt ihr denn auch mindestens einen Meter Abstand?!"

Jetzt raschelt es unterhalb der Tanne. Man sieht erst ein, dann ein zweites langes Ohr. Beide Ohren, weiß wie Schnee und zartgrau an den Spitzen, stellen sich auf und drehen sich suchend hin und her. Ein Schneehase. Jetzt erscheint auch das Köpfchen unseres Freundes Löffel. Sein Näschen bebt und wackelt in Sekundenschnelle mümmelnd auf und ab. Hektisch atmend werden kleine Atemwölkchen in die kalte Winterluft ausgestoßen. Im Zickzack hüpft Löffel weg von der Tanne auf die schneebedeckte Wiesenfläche. "Entschuldigung, Schnabel, ich hatte dich nicht gesehen. Ooohweeeh, ich hoffe wir haben genug Abstand gehalten."
Nachdenklich benennt Löffel: "Müssten es nicht sowieso eineinhalb Meter sein? Sagtest du nicht, dass das in den Nachrichten so gesagt wurde?"

Das Spätzchen lacht. "Alles gut, Löffel, dich meinte ich gar nicht. Ich habe nur kurz zu unseren Freunden gesprochen, die wieder unserer Weihnachtsgeschichte lauschen. Aber ja stimmt, ein Meter UND ein halber sollten es sein."

Oh. Das ist ja unglaublich. Da scheinen unsere Freunde ja vor denselben Herausforderungen zu stehen wie wir...
Ja, es ist eine besondere Zeit. So etwas haben wir bisher nie erlebt. Zeiten, in denen wir uns und andere vor einem Virus schützen müssen, Regeln befolgen müssen die zwar großen Sinn machen und so sehr wichtig sind, deren Befolgung aber eine besondere emotionale Herausforderung darstellen.

Schnabel, das Spätzchen, hatte alle Nachrichten gesehen. Im Fernsehen. "Flimmerkasten heißt das" sagt Schnabel in leicht besserwisserischem Ton. Na gut, wenn du meinst...
Durch das Fenster eines Hauses, vor dem ein gemütlicher Apfelbaum steht und der häufig vom kleinen Spätzchen aufgesucht wurde. Schnabel sah die Familie die dort lebte mit komischen Tüchern vorm Gesicht das Haus verlassen. Es wurde nur noch gewunken zum Abschied und die Kinder der Familie empfingen keine Freunde mehr. Wenn überhaupt wurde im Garten gemeinsam gespielt. Aber alles war anders. Auf Abstand. "Weniger herzlich wirkt das", sinniert das Spätzchen und ergänzt soweit meine Rückblende, die ich als Erzähler grade für Euch Leser bzw. Zuhörer zusammengefasst habe.

Oh, da bebt der Blätterhaufen auf und wackelt und raschelt. Voll aufgepiekster Blätter erscheint der kleine Igel Stachel und erneuert den Kreis, den er um seinen Blätterhaufen in den Schnee gelaufen hat. Doch warum macht er das? "Ich laufe immer auf demselben Weg durch den Schnee. So. Wie ein Kreis. Dann ist es wie ein kleiner Graben. Und auch wie eine Linie. Ich muss doch Wert darauf legen, dass niemand ungefragt zu nah kommt. Hat Schnabel mir erklärt. Und was Schnabel in der Flimmerkiste gesehen hat, scheint sehr wichtig zu sein. Alle Menschen im Dorf halten sich daran, also wollen wir das auch."

Ein haariges Fellwesen springt plötzlich vom untersten mächtigen Zweig der Tanne wie von einem Sprungbrett auf die Lichtung. Man sieht ausschließlich abstehendes Fell, dahinter zwei pinselige Öhrchen. Ach, das ist ja Pinsel, das flinke Eichhörnchen. Stachel lacht. "Pinsel, du liebst spektakuläre Auftritte, oder?" In dumpf klingender Weise erwidert Pinsel "wmm mf mwmmm..." und wird von Schnabel unterbrochen, der sich vor Lachen kaum halten kann. Schnabel hatte ebenso den Auftritt von Pinsel verfolgt und erklärt nun: "Pinsel, es ist ja schön, dass du deinen buschigen Schwanz immer vor dein Gesicht hälst. Aber wenn du den Schwanz zu nah an dein Mäulchen hälst, versteht niemand mehr etwas." Pinsel hält inne, klappt seinen Schwanz etwas nach unten und spricht nun deutlicher: "Hallo ihr alle! Was geht ab?" Pinsel wirkt mächtig stolz, als einziger einen funktionstüchtigen Mund-Nase-Schutz dabei zu haben, wenn er auch häufig das eigene Fell ins Schnäuzchen bekommt.

Pinsel ruft aus: "Ich seh das alles nicht ein, Freunde! Muss dieses Weihnachten wirklich ausfallen? Nein. Muss es nicht. Ich will mit Euch feiern, besinnlich sein, und vor allem möchte ich kuscheln." Plötzlich beginnt sein Stimmchen zu zittern und Pinsel vergräbt sein Gesicht wieder in seinem buschigen Schwänzchen, das er nun wie ein Kissen an sein Gesicht presst und schniefend als Taschentuch benutzt.

"BÄÄÄH!", kommentiert Löffel aus der Ferne. Aber dann wirkt sein Blick besorgt, denn er bemerkt, dass Pinsel bitterlich weint und schluchzt. Pinsel sagt kleinlaut: "Ich vermiss euch einfach. Reden und aus der Ferne Hopsen wirkt niemals nie nicht wie eine echte Umarmung." Traurig blickt er Schnabel an.

Schnabel fliegt im Kreis über seine Freunde, die mit viel Abstand voneinander nun gegenseitig Augenkontakt suchen. Er sagt flehend "Ich kann doch nix dafür... hör auf so zu weinen, Pinsel, mein lieber Freund."

Stachel räuspert sich. Wenn er das tut, hat er meist Wichtiges zu verkünden. Die anderen Freunde wenden sich ihm zu und spitzen die Öhrchen. "Wir werden Weihnachten feiern. Anders, aber wir werden das schaffen. Wir werden das beste draus machen!" "Wie denn?!" horcht Löffel auf. Stachel erklärt: "Wir werden kreativ werden müssen. Aber jeder hat etwas beizutragen. Denkt nach. Strengt euch an. Denkt an alles, was wir beachten müssen und nutzt Schnabel als Fachmann. Äh, Fachvögelchen. Und dann überraschen wir uns alle. Heute Abend. Denn heute ist heilig Abend. Und wir werden neue Wege gehen."

Keiner unser tierischen Freunde traut sich, nach dieser Ansprache etwas zu sagen. Alle fühlen sich besser, die Stimmung wirkt wie elektrisiert und Pinsel wischt sich entschlossen die Tränchen vom fellbesetzten Gesicht. Er macht sich ganz grade und sieht aus wie ein Erdmännchen, das seine Sippe beschützt, indem er nach Feinden Ausschau hält. "Wir beginnen mit den Vorbereitungen. Jeder hilft und überrascht die anderen so gut es geht. Wir treffen uns bei Sonnenuntergang. Und dann IST Weihnachten!"

Unsere Freunde fliegen, hopsen, rennen und trippeln zügig auseinander. Man hört hier und da ein Seufzen, manchmal ein angestrengtes Atmen, öfter - grade von Pinsel - auch mal ein Fluchen. Es knistert, knackt und alle Freunde gehen emsig ihren Ideen nach.
Und dann ist es so weit. Die Sonne geht unter. Es ist plötzlich wieder ganz still. Und wisst ihr was? Es ist da. Ein Gefühl der Besinnlichkeit.

Schaut auf die Lichtung. Da hat sich einiges getan. Ein Schneemann steht in der Mitte der Lichtung. Sehr gross und breit. Er besteht aus einer grossen Schneekugel und hat die Form eines Igels. Eine Wimpelkette hängt zwischen zwei Tannembäumen des angrenzenden Wäldchens und ist zudem mit Nusschalen dekoriert, die wie kleine Klanghölzchen klingen, wenn sie bei aufkommenden sanften kühlen Windböen aneinander schlagen und klappern. Im Schnee wurde ein Einbahnstraßensystem eingedrückt mit Haltebuchten. Pfeile aus Ästen weisen die Wegrichtung. Sogar kleine Höhlen sind in den Schnee gegraben an den vier Haltebuchten, um Windschutz und Geborgenheit zu gewähren. Kleine Päckchen liegen bereit als Geschenke, in Blättern verpackt.
Schnabel fliegt langsam und schwungvoll zum Höhleneingang der Tanne - der Akustik wegen - und stimmt "Stille Nacht" an. Langsam und bedächtig kommen Pinsel, Stachel und Löffel auf den Rundweg und stimmen in den Gesang ein. Sie wandern zu ihrer Haltebucht und auch Schnabel fliegt schließlich zu seinem Platz. Jeder für sich packt die Geschenke aus, im Wissen darum, dass jeder seiner Freunde es ihm in diesem Moment gleichtut. Eine Nuss wird ausgepackt. Pinsels Geschenk natürlich. Dann packen alle Freunde eine kleine Feder aus. Von Schnabel. Zum Abschluss wandern sie zum Schneemann in Igelform und umarmen diesen mit weit geöffneten Ärmchen bzw. Flügelchen, bevor sie sich mit Abstand wieder auf der Lichtung verteilen.

Pinsel lacht und wirkt glücklich. Auch Löffel wirkt selig entrückt und hat ein Lächeln im Gesicht. Schnabel sitzt vor Aufregung aufgeplustert und kugelrund wie ein Federball in der Tanne. Und Stachel schnauft langsam und ruhig und blickt mit weit glänzenderen Augen als zuvor gerührt in die Runde, bis ein Freudentränchen langsam herunterkullert.
"Freunde, wir haben das toll gemacht." Fasst er zusammen. Schnabel sagt: ich hatte eine ähnliche Idee wie Stachel. Ich wollte etwas schenken, damit ihr ein bisschen kuscheln könnt." Pinsel kuschelt mit Schnabels Feder und bedankt sich. "Das tut sooo gut". Und Stachel erklärt: Ihr könnt doch eigentlich nie mit mir schmusen weil ich so piekse. Also hab ich einen Schnee-Igel gebaut. Der ist zwar kalt, aber dafür schön glatt!" "Danke für die Höhlen im Schnee und die Beschilderung!" ruft Stachel aus. "Und danke für die tolle Deko!" Ergänzt Löffel. Pinsel dankt Schnabel auch für den tollen Gesang.

Wieder einmal ergreift Stachel das Wort.
"Es war vielleicht nicht das schönste Weihnachten, das wir je erlebt haben....
Aber vielleicht war es das besinnlichste."
Und Pinsel brüllt in die Runde: "Es geht auch nicht darum ob Weihnachten cool war oder nicht. Sondern dass man sich gern hat. Wir gehören zusammen. Wir haben uns lieb und DAS ist das wichtigste Geschenk füreinander!".

Das können wir genau so stehen lassen, liebe Leser und Hörer dieser Geschichte. Zum Glück kennt Liebe keine Grenzen.
"Die ist auch nicht ansteckend!" mischt sich Pinsel wieder vorlaut ein. Nunja - in gewisser Weise vielleicht schon …

grüner Kreis mit Dreieck mit der Spitze nach oben.